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Predigten

Predigt zur Konfirmation

12. April 2015 

Lauenburg

Pastor Graffam

 

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde!

Klein aber fein! Das fällt mir immer ein, Liebe Konfirmanden, wenn ich an Eure Gruppe denke. Klein aber fein. Dabei waren wir anfangs noch ein paar mehr, aber ihr habt durchgehalten und gemeinsam haben wir die letzten anderthalb Jahre zusammen verbracht. Manches Mal fandet Ihr den Unterricht bestimmt auch etwas langweilig, aber vielleicht habt ihr auch etwas für Euch entdecken können.

Wir waren zusammen in Ascheberg und in Mölln auf Freizeit und haben uns mit dem Abendmahl und Eurer Konfirmation beschäftigt.

Auf unserer letzten Freizeit in Mölln habt ihr euch nicht nur euren Konfirmationsspruch ausgesucht und eure Kerze gestaltet, sondern ihr habt euch mit der Frage „Was glaube ich?“ beschäftigt. Ich glaube an Gott, ich glaube an Jesus, ich glaube an den Heiligen Geist waren die drei Vorgaben für Euch.

Kann man Glaube erlernen? Sicherlich – Fakten, Ereignisse, Inhalte – die kann ich als Pastor Euch vermitteln, da bin ich euch auch etwas voraus! Den Glauben aber können wir nur zusammen erlernen, entdecken und zusammen gestalten. Denn Glauben heißt ja nicht: Ich weiß es nicht genau, deswegen nehme ich an! Sondern Glaube heißt: Ich vertraue Dir, ich schenke dir glauben, ich halte mich an Dich, auch wenn ich es nicht sehen, anfassen oder anders begreifen kann. Eine Übung, die man erlernen kann. Nicht wie ein Gedicht auswendig, sondern im stetigen widerholen von Ritualen, Gebeten und Inhalten.

Der ungläubige Thomas hatte damals noch die Chance seine Hände in die Wunden Jesu zu legen, damit er im wahrsten Sinne des Wortes begreifen kann, dass Jesus wahrhaftig auferstanden ist.

Wir – 2000 Jahre später im Konfirmandenunterricht und in unseren Kirchgemeinde – wir können und nicht und so versuchen wir anders dieses unfassbare Geheimnis Gottes zu begreifen und Antworten zu finden. Und Eure Antworten auf der letzten Freizeit zu der Dreier-Frage waren erstaunlich:

So schreib einer oder eine: Ich glaube an Gott: er hilft mir, wenn ich Hilfe brauche. Oder auch Ich glaube an den Heiligen Geist, denn er bringt uns Menschen Mut, dass man zusammenhält und die Gemeinschaft nicht zerbricht. Oder – Ich glaube an Jesus, weil er vielen Menschen weitergeholfen hat, in Situationen, die Ausweglos waren.

Bei einer Antwort wünschte ich mir, dass die Verantwortlichen in dieser Welt sie hören würden: Jemand von Euch schrieb: Ich glaube an den Heiligen Geist, der uns wissen lässt, wann wir eine starke Gemeinschaft sein müssen und mit einer Stimme sprechen müssen. Ich glaube an Gott, er hat uns erschaffen, damit wir eine zivile Gesellschaft aufbauen und nie im Krieg leben.

Oder auch: Ich glaube an Gott, dass er die Menschen und die Tiere retten soll.

Das Glaube auch mal was ganz persönliches sein kann, zeigt diese Antwort: Ich glaube an Gott, der mich beschützt, der mir zuhört. Der jeden Tag an meiner Seite ist, egal, ob es mir gut geht oder schlecht! Immer: Der mir Hoffnung gibt.

 Oder: ich glaube an Jesus Christus; er hört mir zu und ist in jeder Lebenslage für mich da! Und manchmal ist Glaube auch Ausdruck tief empfundener Dankbarkeit: Ich glaube an Gott, er hat mich zu einen Menschen gemacht, der ich sein möchte.

Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! sagt Jesus. Und dazu seid Ihr, sind wir alle hier stets eingeladen.

Nun könnte man fragen, was es für einen Unterschied macht, wenn ich an Gott glaube? Was bringt es für den Umgang mit dieser Welt, in der Begegnung mit anderen Menschen und in der Wahrnehmung mit mir selbst.

Dazu drei Gedanken:

  1. Die Verantwortung für die Welt und den Umgang mit den Menschen auf Ihr bekommt eine zusätzlich Dimension. Ich bin nicht nur für die Welt verantwortlich, weil ich meine Kinder liebe oder weil mich die Bilder von irgendwelchen Umweltkatastrophen oder Kriegen berühren. Ich bin auch dafür verantwortlich, weil Gott mich dazu beauftragt hat. Weil Gott mir diese Verantwortung mit auf meinen Weg gegeben hat, weil Gott er mir auch zutraut, dass ich etwas zur Erhaltung, zur Mitmenschlichkeit beitragen kann. Und mir Eurer Konfirmation seid ihr jetzt erwachsen und in diese Glaubensverantwortung berufen.

 

  1. Gleichzeitig hilft mir der Glaube, wenn ich das Gefühl habe, die Aufgabe sei viel zu groß. Wir alle sind sicherlich nicht in der Lage, allein die Welt zu retten. Wir alle haben erfahren, dass wir uns betroffen zeigen, wenn Menschen brutal über Menschen herfallen und schaffen es selber nicht Frieden über den Gartenzaun zu halten. Der Glaube an Gott zeigt uns aber auch, dass wir gar nicht müssen. Erstens, weil wir eine Gemeinschaft sind und andere Menschen aus ihrem Glauben heraus uns im versuchen unterstützen und weil wir – und jetzt sind wir wieder beim Vertrauen – weil wir immer darauf vertrauen können, dass Gott selbst mithilft.
  2. Durch den Glauben an Gott als den Schöpfer dieser Welt kann ich die Welt mehr schätzen lernen. Sie ist dann nicht nur ein großer kosmischer Zufall, sondern ein Geschenk.

So wie das Leben für mich und für dich ein Geschenk ist. Und mit einem Geschenk gehe ich anders um, als mit einem Zufallsprodukt.

 

Klein, aber fein ist dieser Unterschied, wenn ich den Mut aufbringe, Gott mein Vertrauen, meinen Glauben zu schenken. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Amen

 

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